DO Montilla-Moriles – die spanische Region und Ihre Weine

Wenn sich der Spanienreisende von der Hauptstadt Madrid auf den Weg nach Andalusien macht, so ist nicht selten die altehrwürdige Stadt Córdoba der erste wichtige Halt. Hier, wo das Erbe der Mauren und die aufregende Geschichte Andalusiens in Form der beeindruckenden Mezquita erlebbar werden, entbrennt spätestens der letzte für diese sonnenverwöhnte und trockene Region im tiefsten Süden der Iberischen Halbinsel.

Noch beeindruckt vom kulturellen Schmelztiegel Córdoba, der christliche und muslimische Architektur Tür an Tür bietet, setzt man sich ins Auto und fährt weiter nach Süden. Auf dem Weg nach Málaga oder Granada kommt man durch ein eher wenig bekanntes Weinbaugebiet, dass es durchaus mit dem großen Namen Sherry aufnehmen kann. Benannt ist die exquisite Region nach den Städten Montilla und Moriles, die gemeinsam für die Denominación de Origen Montilla-Moriles Pate standen.

Hier, viel weiter im Landesinneren als die Sherry DO, erzeugt man sehr ähnliche aufgespritete Solera-Weine. Da hier kein Meereslüftchen kühlt und es auch nur selten eine regensatte Wolke so weit vom Mittelmeer ins Landesinnere schafft, wachsen hier aber nicht die gleichen Trauben wie auf den Rebflächen des etwa zwei Autostunden entfernten Sherry-Dreiecks.

Montilla-Moriles – Edle andalusische Weine jenseits der Sherry-Region

Das trockene Land der Montilla-Moriles DO mit seinen bis zu 45°C heißen Sommern gehört einer zähen Traube, die sich nicht so leicht ausdörren lässt. Deshalb wird hier vor allem Pedro Ximénez angebaut. Die Rebsorte gibt es zwar auch im Reich des Sherrys, doch steht sie dort weit hinter der allgegenwärtigen Palomino Fino zurück. Für Palomino Fino ist die Montilla-Moriles DO aber viel zu trocken und so räumt sie das Feld dem Klassiker PX.

Abgesehen von der Spitzenreiterrebsorte finden sich zwischen dem großen Namen Sherry und dem weniger bekannten Montilla-Moriles aber doch allerhand Gemeinsamkeiten. Auch hier wird ein aufgespriteter, also mit Reinalkohol versetzter, Wein erzeugt, der in Soleras reift. Dabei wird in regelmäßigen Abständen Wein aus der untersten Fasslage abgezogen und der entstandene Platz mit Wein aus der nächsthöheren Reihe ersetzt. Ganz oben füllt der Kellermeister schließlich den Jungwein ein.

In Montilla-Moriles gibt es auch all die Geschmacks- und Ausbauformen, die der Weinliebhaber aus der Sherry DO kennt. Fino und Amontillado, Oloroso und feine Creams werden hier erzeugt und decken von knochentrocken bis dionysisch-süß das ganze Spektrum ab, das man sich als Sherryfreund wünschen kann. Die Namen sind außerhalb von Spanien aber dann doch dem Sherry vorbehalten, weshalb auf den Etiketten aus Montilla-Moriles Namen wie Pale Dry, Medium Dry, Pale Cream und Cream prangen.

Leicht hatte es Montilla-Moriles nicht, denn erst 1945 wurde es als eigenständiges Weinbaugebiet anerkennt und aus der Sherry-Region entlassen. Bis dahin wanderte der charakterstarke Pedro Ximénez aus den Kellern rund um Montilla und Moriles fassweise nach Jerez de la Frontera und wurde hier in die Sherry-Soleras gefüllt.

Den Weinen aus Montilla-Moriles geht es seit ihrer Unabhängigkeit ein wenig wie dem erstklassigen Armagnac aus Frankreich. Wie der Weinbrand stehen auch sie immer in Verdacht, ein günstiges Plagiat eines großen Namens zu sein. Beim Armagnac ist es der Cognac. Ähnlich sieht es bei der Montilla-Moriles DO aus, deren Weine als günstige Alternative zu Sherry gelten, was viele Menschen als Qualitätsmangel interpretieren. Einen Grund für den Vorwurf sucht man vergeblich, denn auch hier, ziemlich genau zwischen Córdoba und Málaga, gibt es die exzellenten Albariza-Böden, die Sherry so berühmt gemacht haben. Fährt man durch Montilla-Moriles, so findet sich vielerorts der beinahe weiße und im Sommer steinharte Boden, der reichlich Kalkstein enthält. So wachsen auch in Montilla-Moriles Trauben von allerhöchster Qualität. Nach der Ernte werden die Trauben eingemaischt und in großen tinijas, bauchigen Beton-Amphoren, vergoren.

Wer schließlich seine Andalusien-Rundreise an der Atlantikküste in Jerez oder Sanlúcar de Barrameda beendet, kann sich direkt im Vergleich von der Ebenbürtigkeit der Weine aus Montilla-Moriles überzeugen. Blättert man dann noch durch Spaniens Weinführer Nr.1, den Guía Peñín, dann zeigen auch die Bewertungen der Profis, dass hier ein weiterer schlafender Riese ruht.

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